Samstag, 16. Juni 2018

Café Morelli


Café Morelli von Giancarlo Gemin
Gebundene Ausgabe (29.09.2017)
Seiten: 272
Königskinder Verlag
Foto: Katina Gremler



Was bin ich um dieses Buch herumgeschlichen. Lange. Zum einen, weil es schon wieder ein Jugendbuch ist und zum anderen, weil man ja irgendwie genug Bücher im Regal hat. Was ja eigentlich bei Bücherfüchsen keine Aussage ist. Aber manchmal überkommt mich so ein „Bin mal vernünftig“ Moment. Aber dann kam die Buchnacht. Und mit der Buchnacht kamen die Königskinder. Da standen sie. Jetzt oder nie! Buchnacht ist was besonderes und da nimmt man am besten auch besondere Bücher mit nach Hause. Café Morelli ist so ein besonderes Buch und das hat Mama mir dann zur Erinnerung geschenkt.

Erinnerungen sind im Café Morelli täglich zu sehen. Die Ahnengalerie hängt an einer Wand. Der Uropa und der Opa von Joe, Italiener, die nach England eingewandert sind und das Café eröffnet haben. Mittlerweile wird das Café von Joes Mum geleitet, aber die Zeiten, als das Café florierte sind vorbei. Joe, der gerade mal 14 Jahre alt ist, hofft das er das Café einmal erbt. Sein Opa, Nonno, erzählt ihm auf eine Tonbandaufnahme die Geschichte des Cafés und dann nimmt alles seinen Lauf.

Im Café Morelli ist alles drin. Italienische Kochkunst, geniale Ideen, Familienzusammenhalt und gute Freunde, Opern und leckere Pasta. Und eine Blick in die Vergangenheit von Nonno. Ich finde das unglaublich wichtig, dass in Jugendbüchern das Thema Weltkriege und besonders auch das 3. Reich und wie das alles passiert ist und welche Folgen das für die Menschen hatte aufgeklärt wird. Und das es nichts, absolut nichts an Aktualität verloren hat. Wir sind vielleicht wieder näher davor, als in den ganzen letzten 73 Jahren. Es ist wichtig, Geschichte zu verstehen und gerade auch im Café Morelli wird diese gut und richtig erklärt, so das auch jugendliche Leser verstehen, was damals passiert ist. 

Foto: Katina Gremler

Giancarlo Gemin, hat es geschafft alles so zu vereinen und der Leser kann nicht aufhören zu lesen. 24 Stunden später war ich durch. Ich hatte teilweise beim Lesen einen Kloß im Hals und dann wieder musste ich lachen über den Einfallsreichtum von Joe, der mit gerade mal 14 Jahren beweist, was in einem stecken kann, wenn man mit Herzblut an etwas hängt. Dazu bringt der Autor die Jugend noch die Oper näher, was ich sehr begrüsse. Ohne Opern aufzudrängen, aber dennoch so, das man neugierig wird und vielleicht doch mal im Plattenschrank schaut ob Mama oder Opa nicht doch Verdi Opern rumliegen haben. Echt, ich sage es Euch. Lest das Buch einmal ohne Musik und dann nochmals mit, an bestimmten stellen wo die Protagonisten Oper hören, werdet ihr das Buch noch besser verstehen. Das hat was! Das passt. Ein wundervolles Buch. Es ist schade, weil man es so schnell ausgelesen hat und wundervoll, weil die Geschichte auf einen ganz besonderen Art erzählt wird. Ein Buch, das bleibt. Danke, Giancarlo Gemin. Bravissimo!