Montag, 20. August 2018

Das rote Adressbuch von Sofia Lundberg


Das rote Adressbuch


Ein Buch das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte. Es war wie ein Sog.

Hast du genug geliebt? Diese Frage stellt sich Doris am Ende ihres Lebens, als sie für ihre Großnichte Jenny ihre Lebensgeschichte aufschreibt. Behilflich hierbei, ist ihr rotes Adressbuch, welches Doris Vater ihr einst schenkte. Mittlerweile sind die Menschen die Doris Lebenswege gekreuzt haben verstorben. Zu jedem hat Doris was zu erzählen, denn sie sind ob sie will oder nicht Teil ihres bewegenden Lebens.

Ich glaube die Menschen die wie Doris um 1918 geboren sind und nach dem 1. Weltkrieg aufwuchsen bzw. den 2. Weltkrieg erlebt und überlebt haben, haben ein so bewegtes Leben gehabt, wie wir uns das heute gar nicht mehr vorstellen können. Alleine nach dem 1. Weltkrieg die Menschen die sich wieder aufgerafft haben wie Doris Eltern, weiter gemacht haben, die sind hart im Nehmen. Das Doris Mutter, um Doris zu helfen, sie eines Tages weggeschickt hat, als es gerade günstig war, mit gerade mal 13 Jahren, da möchte man sich nicht vorstellen, was in dem Köpfchen los ist. Diese Menschen, die immer wieder aufgestanden sind, den Krieg getrotzt haben, ihre Lieben verloren haben und dennoch Lieben können, so wahrhaftig wie es sonst nur in Liebesromanen zu lesen steht, um so eine Lebensgeschichte geht es hier.

Das Buch macht unglaublich nachdenklich. In meiner Familie sind alle tot, die man hätte über den 2. Weltkrieg noch fragen können. Wir haben aber gefragt als es noch möglich war und antworten bekommen und in etwa hat jeder von Ihnen eine Geschichte wie Doris gehabt. Das ist Millionenfach passiert damals und dennoch ist jede Geschichte hörenswert bzw. lesenswert. Die Frauen damals waren unglaublich stark. Vielleicht ist das auch das Geheimnis warum so viele dieser Generation so Alt geworden sind wie Doris. Meine Oma ist ebenfalls über 90 geworden und fast bis zum Schluß agil.

Also steht Das rote Adressbuch für diese Generation. Ich, die das Buch lesen durfte, hab mich wie im Sog gefühlt. Man kann das manchmal einfach nicht glauben, was sich da alles abgespielt hat. Welchen Einfallsreichtum die Menschen hatten um zu überleben. Welches Leid ihnen widerfahren ist. Familien die auseinandergerissen wurden. Liebende die entzweit wurden und sich gegebenenfalls niemals mehr wieder gesehen haben aber auch welche wunderbaren Begegnungen es gegeben hat und auch Chancen.

Und am Ende steht die Liebe.