Sonntag, 12. August 2018

Uns gehört die Nacht von Jardine Libaire




Er ist jung, reich und sieht gut aus. Sie ist jung, sieht hübsch aus und ist arm. 
Sie treffen sich, da sie nebeneinander wohnen. Was als pure Unterhaltung beginnt wird zur Obsession und auch Liebe. 
Diese Welten knallen aufeinander. 
Die Kinder reicher Eltern, die mit Kindermädchen und Butler aufwachsen und deren Eltern sich nicht selber kümmern und die Kinder nur sehen wenn es passt, erfahren gar keine Liebe. So lange sie mitmachen und gute Note schreiben, bekommen sie alles in den Hintern geschoben. Kreditkarten, teuere Autos, Privatschulen und namenhafte Universitäten und mehr als eine Wohnung. Die Kinder mögen zwar keine Geldsorgen haben, ihnen fehlt aber ein ganz entscheidendes Gefühl um Vollständig zu sein: Liebe und Geborgenheit. Die suchen sie sich dann meist in anderen Gefilden. Wenn sie Mist bauen holen die Anwälte der Eltern sie wieder aus dem Schlamassel raus. Geld regiert. 
Jamey Hyde ist so ein Kind. Er studiert und wohnt mit seinem ebenso reichen Kollegen zusammen, der das Leben nimmt, was es ihm bietet. James hingegen ist innerlich zerrissen, kaputt. Als er die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Elise Perez kennenlernt, beginnt ein obsessives Spiel, das immer in der Nacht beginnt und im Morgengrauen endet. Während Elise sich verliebt, ist es für für James nur was körperliches. Er ist schüchtern und überlegt. Sie ist vorlaut und hat keine Hemmungen. 
Elise Perez. Aufgewachsen in den Slums, ist irgendwann von zu Hause weggelaufen in der Hoffnung auf ein besseres Leben.  Sie hatte keine Schulbildung wie James, weiß aber mehr vom Leben als er. Zusammen ergeben Sie ein Ganzes. Nicht gern gesehen von der Familie Hyde. Irgendwann passiert ein Unglück und wieder ist es Elise die James hilft. 
Es ist einfach interessant zu sehen, das Geld zwar ein Notwendigkeit ist, übermässiger Reichtum ist es nicht. Liebe hingegen, Liebe ist immer Notwendig. Ohne Liebe sind wir nichts. 
Die Geschichte ist immer in kurzen Abschnitten erzählt. Sie beginnt Juni 1987 und Endet im Januar 1986. Die 80er Jahre in New York. Eh auch wieder eine Zeit, in der die Jugend im Umbruch ist. Drogen bei den Reichen und bei den Armen konsumiert werden. Bei den einen quasi auf dem Silbertablett, bei den anderen auf offener Strasse. Die einen weil es zum guten Ton gehört, die anderen weil sie keinen Ausweg sehen. 
Anders als bei Romeo und Julia, fehlt hier völlig die Romantik. Durch die kurzen Passagen hat man dieses Buch angenehmen lesen können, pausierte man, war man dennoch sofort wieder drin. 
Ein Buch zum nachdenken. Die Autorin beschönigt nichts, die Sprache gefällt. Zu Anfang ist mir der Einstieg schwergefallen, aber dann einige Seiten weiter, konnte ich mit dem Lesen nicht mehr aufhören. Ich habe mit beiden Protagonisten mitgelitten. 
Einen herzlichen Dank an vorablesen.de und den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.