Dienstag, 16. Oktober 2018

Dein Fleisch und Blut von Nicole Makarewicz


Titel: Dein Fleisch und Blut
Autorin: Nicole Makarewicz
Verlag: Holzbaum 
Genre: Thriller 
VÖ: Oktober 2018 
*Unbezahlte Kooperation / Rezensionexemplar

Inhalt: 

Die Journalistin Leah Sebelia lebt für ihren Beruf. Durch die Arbeit an einem Buch über Kinderpornographie zerbricht ihre Beziehung, zu sehr nimmt das Thema Leahs gesamtes Leben ein. Als sie kurz davor ist, ihre Recherche aufzugeben, erhält sie einen anonymen Brief mit Zugangsdaten zu einem Pädophilen-Forum. Immer tiefer verstrickt sie sich in das grausame Netz aus Missbrauch und Menschenhandel, bis eine Mordserie an Mitgliedern des Forums einen Verdacht in ihr erweckt. Wurde Leah unwissentlich zur Handlangerin des Mörders? Nicole Makarewiczs Thriller „Dein Fleisch und Blut“ eröffnet schonungslos die Abgründe menschlichen Handelns. Jäger werden zu Gejagten, Vertraute zu Verdächtigen – bis man schlussendlich niemandem mehr trauen kann.

Meine Rezension: 

Also ich kann Euch nur so viel sagen: 

Nichts ist, wie es scheint. 

Auch wenn das Thema sehr hart und brenzlig ist, darf man nicht vergessen, wie wichtig es ist, auf das Thema Kinderpornographie aufmerksam zu machen und zu bekämpfen. Das gelingt Frau Makarewicz mit diesem Thriller. Als Leser ist man hellwach, man liest und hält den Atem an und hofft, das Leha etwas erreichen kann. Als ich bestimmte Passagen gelesen hatte, musste ich pausieren. Man kann nicht verstehen, was erwachsene Männer dazu antreibt, sich an Kindern zu vergehen. Aber auch dazu wird im Buch etwas gesagt. Verstehen, kann man diese Handlungen dennoch nicht. 

Es ist meiner Meinung nach nicht nur ein Thriller. Es ist etwas, was wirklich so unter uns passiert. Wo man sich absolut wenig Gedanken drüber macht, weil diese Tat an Kindern so absolut widerlich ist und man sich das gar nicht vorstellen kann oder will. Kennst du deinen Nachbarn? Deinen Mann? Deinen besten Kumpel? Kennst du den Imbissbuden - Besitzer? Oder den netten Kerl aus dem 5. Stock, der immer herüberwinkt.

Das Gute ist, man kann etwas tun und genau das ist es, was die Journalistin 
Leha Sebelia antreibt. Es ist nicht nur die Jagd nach einer gute recherchierten Geschichte für die Zeitung. Es ist etwas, was ihr so am Herzen liegt, dass sie wahrlich Tag und Nacht daran arbeitet und sich beinahe selbst verliert. Die Hilfe, die sie durch die hörbehinderte Hackerin Mara bekommt, öffnet noch andere Türen.


Und das wiederum sind die Thriller, an denen man sich festbeißt, weil sie spannend geschrieben sind. Wenn ich dann noch eine Stadt dabei habe, die ich gut kenne, dann habe ich schon angebissen. Und wenn die ersten Seiten direkt dazu einladen, weiter zu lesen. Das ist hier gelungen.

Vor einiger Zeit ist mir was Tolles passiert. Ein Buch als Rohfassung lesen zu dürfen und meine persönlichen Erfahrungen als Hörbehinderter einfliessen zu lassen, damit eine Protagonistin im Buch auch richtig dargestellt werden konnte.

Als die Autorin mit dieser Bitte an mich herantrat, war ich erst mal sehr erstaunt. Dann habe ich mich gefreut und nachgefragt, um welches Buch es sich genau handelt. Es geht um einen Thriller, der obendrein auch noch in Wien spielt. Wien, Thriller und eine Protagonistin mit einer Hörbehinderung. Gebongt! Schlucken musste ich nur, als ich erfuhr, dass es auch um Kinder geht. Thriller/Krimis mit Kindern als Opfer, sind, seit ich selber Mutter bin, für mich harter Lesestoff. 
Die Passagen in denen es um eine hörgeschädigte Hackerin geht, sind der Part, in dem ich zum Einsatz komme und mein Wissen über Gehörlosigkeit/Schwerhörigkeit der österreichischen Autorin Nicole Makarewicz kostenlos zugänglich machte. Sie hat meine Erfahrung angenommen und im Buch verarbeitet.

Ein herzliches Dankeschön für die Erwähnung in der Danksagung. Ich bin immer froh, wenn sich die Menschen über Behinderungen richtig informieren. Es gibt keine einheitliche Richtung. Gehörlose hören NICHTS. Früher sagte man Taub oder Taubstumme. Wobei hier Taubstumm nicht das richtige Wort ist, denn auch ertaubte Menschen kommunizieren mit Hilfe der Gebärdensprache, von daher sind sie nicht Stumm. 

An taubheitgrenzender Schwerhörigkeit bedeutet, das jemand mal gehört hat, aber nun an der Grenze zur Gehörlosigkeit steht. Hier helfen manchmal noch Hörgeräte für das Richtungshören, ansonsten Gebärdensprache und Notizen.

Ob Gehörlose oder an taubheitgrenzender Schwerhörigkeit (das hat die Protagonistin) sie müssen von den Lippen ihres Gegenübers ablesen, was nicht immer ohne Schwierigkeiten funktioniert. Ebenso gibt es viele Wörter die man einfach nicht ablesen kann, dann hilft nur noch Gebärdensprache oder wenn das nicht möglich ist ein Block und ein Stift und der Gesprächspartner muss Stichwörter oder ganze Sätze eben aufschreiben um im Gespräch zu bleiben. 

Ich selbst habe jahrelange Erfahrung sammeln können und nicht immer sind die Menschen zum aufschreiben oder langsam sprechen bereit. Das ist ein enormer Stress und dieser kann unter Umständen dann noch die drohende Gehörlosigkeit begünstigen. 

Also, hier am Rande, wenn ihr auf einen Menschen trefft, der nicht richtig hören kann oder bereits ertaubt ist, nehmt ihn in die Mitte, schreibt das gesagte auf. Heute ist das mit Handy und Tablet doch keine Sache mehr und ihr werdet sehen, wie dankbar Euch diese Menschen für Eure Hilfestellung sind.

Ich selbst habe jetzt mittlerweile Cochlear Implantate und Mara im Buch, hat noch Hörgeräte zum Richtungshören. Beide Varianten haben dennoch ihre Tücken. Mit unterstützenden Hörhilfen ist man nicht automatisch hören wie ein Hörender. Selbst mit Cochlear Implantaten, deren OP ich nicht bereue, habe ich im Alltag Momente, die mir das hören erschweren. 

Also egal ob Hörgerät, Cochlear Implantat, ob gänzlich ertaubt oder mit Restgehör: 

*Batterien gehen leer, man hört leiser
*Umgebungsgeräusche, man  hört nur Halbsätze
*Fremde Menschen, die versteht man manchmal erst mal nicht
*Männer mit Gesichtsbehaarung, kein Lippenlesen möglich
*Dünne Lippen, Lispeln oder oder oder.  
*Gebärdensprache und Notizen sind notwendig

Das war hier mein Beitrag zur Hörbehinderung. Danke, dass ich die Möglichkeit hatte, diese einmal wieder in den Fokus zu rücken.